Digitale Kommunikation bei Ärzten und Psychotherapeuten nimmt weiter zu

Die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten stehen der Digitalisierung nach wie vor offen gegenüber. Sowohl die elektronische Dokumentation, als auch die elektronische Kommunikation innerhalb der Praxen nimmt weiter zu. Das geht aus dem aktuellen PraxisBarometer Digitalisierung hervor, dessen Ergebnisse die KBV am heutigen Donnerstag veröffentlicht hat.

„Die Online-Befragung hat gezeigt, dass die Digitalisierung in der ambulanten Versorgung voranschreitet und sich viele Praxen noch mehr Möglichkeiten insbesondere der elektronischen Kommunikation wünschen“, sagte KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel. So hätte jeder Zweite angegeben, „mehrheitlich bis nahezu komplett“ digital zu dokumentieren sowie zu kommunizieren. Vor drei Jahren wäre dies noch ein Drittel gewesen.

Rund 2.500 Ärzte und Psychotherapeuten befragt

Für das fünfte PraxisBarometer Digitalisierung hat das IGES Institut im Auftrag der KBV im Herbst rund 2.500 Ärzte und Psychotherapeuten online befragt. Im Fokus standen die Kommunikationswege mit Patienten sowie mit anderen Ärzten und Einrichtungen im Gesundheitswesen.

Praxen wollen digital kommunizieren

Bei der Befragung kristallisierte sich heraus, dass der Wunsch der Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten, über sichere digitale Wege mit anderen Praxen und Einrichtungen zu kommunizieren, groß ist. So hat der Anteil der Praxen, die Befunddaten und Arztbriefe digital empfangen oder versenden, gegenüber dem Vorjahr zugenommen. Beim eArztbrief stieg der Anteil von weniger als 20 Prozent im Jahr 2021 auf rund 35 Prozent in 2022.

Der digitale Austausch von Informationen mit Krankenhäusern ist dagegen immer noch die Ausnahme. Eine große Erleichterung erhoffen sich viele Arztpraxen hier vor allem vom elektronischen Entlassbrief und vom digitalen Austausch über Behandlungsverläufe sowie Therapieempfehlungen.

eArztbrief mit größtem potenziellen Nutzen

Den größten Nutzen in der digitalen Kommunikation versprechen sich die meisten Praxen vom eArztbrief. Rund 70 Prozent der befragten Ärztinnen und Ärzte setzten ihn auf Platz 1, gefolgt von der digitalen Übermittlung von Befund- und Labordaten.

Allerdings wurden technische Hürden beim Empfang und Versand von eArztbriefen beklagt. So seien die Adressen anderer Praxen im Verzeichnisdienst der Telematikinfrastruktur (TI) teilweise nur schwer zu finden. Der zeitliche Aufwand für den eArztbrief wird insgesamt als noch zu hoch eingeschätzt.

Patientendokumentation fast komplett digital

Insgesamt ist der Befragung zufolge in mehr als 80 Prozent der Arztpraxen die Patientendokumentation nahezu komplett oder mehrheitlich digitalisiert – im Vorjahr lag dieser Wert bei 69 Prozent. Besonders hoch ist dieser Wert in Praxen mit hohem Patientenaufkommen.

Videosprechstunden bieten vor allem Psychotherapeuten an

Die Befragung zeigt ferner, dass sich das Angebot von Videosprechstunden nach dem Boom während der Corona-Pandemie verstetigt hat: Der Anteil der Praxen, welche diese Möglichkeit anbieten, ist gegenüber dem Vorjahr fast gleich geblieben (37 Prozent).

Darunter sind überdurchschnittlich viele Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten: Drei Viertel von ihnen behandeln ihre Patienten auch per Video. Ein besonders hoher Nutzen wird im Rahmen von Einzelgesprächen gesehen.

Den schnelleren Weg der Kontaktaufnahme via Videotelefonie erachten Ärztinnen und Ärzte als gute Möglichkeit für die Besprechung von Untersuchungsergebnissen oder für ein Anamnesegespräch. Für das Arzt-Patienten-Gespräch mit Diagnostik, Untersuchungen und Therapien wird jedoch weiterhin der persönliche Kontakt als am besten geeignet betrachtet.

Als Hemmnisse der Digitalisierung sehen die Befragten, ähnlich wie in den Vorjahren, die fehlende Nutzerfreundlichkeit, die Fehleranfälligkeit der TI und ein ungünstiges Kosten-Nutzen-Verhältnis. Mehr als zwei Drittel der Befragten berichteten von wöchentlichen und zum Teil täglichen Problemen im Zusammenhang mit der TI und einer spürbaren Auswirkung der Fehlerhäufigkeiten auf den Praxisbetrieb.

Kriedel fordert Fehlermanagement

„Die Befragung zeigt, dass die Praxen in diversen Anwendungen Verbesserungschancen sehen, welche bisher noch nicht ausgeschöpft sind“, schlussfolgerte Kriedel. Anwendungen müssten deshalb stets in Zusammenarbeit mit den Anwendern entwickelt und vor der Einführung ausreichend getestet werden.

In einem Video-Interview sprach sich Kriedel dafür aus, auftretende Probleme und Fehler offen zu kommunizieren. Er appellierte an die gematik und an die Industrie, ein organisiertes Fehlermanagement zu etablieren, um Probleme schneller lösen zu können. Es gehe nicht darum, etwas zu blockieren. Kriedel: „Ganz im Gegenteil. Wir wollen, dass das, was dann ausgerollt wird, vernünftig läuft. Im Interesse der Praxen natürlich, aber auch der Patienten.“

Terminerinnerung: Mittagstalk zur Digitalisierung am 8. Februar von 12.30 bis 13.30 Uhr

Um die Digitalisierung in den Praxen wird es auch am 8. Februar im KBV-Mittagstalk gehen. Dabei spielen Themen wie die Konnektoren, das elektronische Rezept und die elektronische Patientenakte eine Rolle. Diskutieren werden Dr. Susanne Ozegowski, Digitalchefin im Bundesgesundheitsministerium, und KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel. Eine Einführung in das Thema wird KBV-Vorstandsvize Dr. Stephan Hofmeister geben.

Der Mittagstalk findet von 12.30 bis 13.30 in der KBV am Herbert-Lewin-Platz 2 in Berlin statt. Die einstündige Veranstaltung kann aber auch per Livestream verfolgt werden.

Dokumente

Weiterführende Informationen

Quelle Logo und Text: Kassenärztliche Bundesvereinigung
Weitere Infos hier: 02192 8733300

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