Ärztekongress ä26: Gemeinsam für mehr Cybersicherheit und digitale Resilienz im Gesundheitswesen
12.10.2026 - Polizei Köln und daten-strom setzen beim Ärztekongress in Bonn wichtige Impulse für Cyberprävention, Datensouveränität und den Schutz der medizinischen Versorgung.
Vom 7. bis 10. Oktober 2026 fand im World Conference Center Bonn der Ärztekongress ä26 der Nordrheinischen Akademie für ärztliche Fort- und Weiterbildung statt. Vier Tage lang standen medizinische Fortbildung, fachlicher Austausch und aktuelle Herausforderungen des Gesundheitswesens im Mittelpunkt.
Mit einem gemeinsamen Informations- und Präventionsstand beteiligten sich das Polizeipräsidium Köln und die daten-strom.Medical-IT-Services GmbH an der Veranstaltung. Im Mittelpunkt ihres Engagements stand eine Frage, die angesichts zunehmender digitaler Abhängigkeiten immer wichtiger wird: Wie können medizinische Einrichtungen ihre Patientendaten wirksam schützen und auch bei Cyberangriffen oder schwerwiegenden IT-Störungen handlungsfähig bleiben?
Cyberkriminalität: Eine unterschätzte Gefahr für medizinische Einrichtungen
Cyberangriffe auf Einrichtungen des Gesundheitswesens sind weit mehr als ein technisches Problem. Sie können medizinische Arbeitsabläufe beeinträchtigen, den Zugriff auf wichtige Patienteninformationen verhindern und im schlimmsten Fall die Versorgung von Patientinnen und Patienten gefährden.
Kriminalhauptkommissar Eric Dieden vom Polizeipräsidium Köln, zuständig für Kriminalprävention, Opferschutz und Cybercrime, begleitete den gemeinsamen Kongressauftritt und referierte an drei Kongresstagen im Rahmen des Pausensymposiums über Cyberkriminalität.
Seine Erfahrungen aus den Gesprächen mit den Kongressbesuchern unterstreichen die Bedeutung kontinuierlicher Aufklärungsarbeit. Nach seiner Einschätzung ist das Gefahrenbewusstsein vieler medizinischer Einrichtungen noch nicht ausreichend ausgeprägt. Zugleich zeigte sich, dass die Vermittlung konkreter polizeilicher Erkenntnisse ein Umdenken anstoßen kann.
Der gemeinsame Kongressauftritt verdeutlichte dabei den Wert einer Zusammenarbeit zwischen polizeilicher Präventionsarbeit und unabhängiger Expertise für Informationssicherheit, Datenschutz und digitale Resilienz.
Informationssicherheit ist Voraussetzung erfolgreicher Digitalisierung
Die Digitalisierung eröffnet dem Gesundheitswesen erhebliche Chancen. Elektronische Patientenakten, Telematikanwendungen, digitale Kommunikationswege und KI-gestützte Systeme können Prozesse verbessern und medizinisches Personal entlasten. Doch mit der zunehmenden Vernetzung wachsen auch die Anforderungen an Verfügbarkeit, Vertraulichkeit und Integrität der verarbeiteten Informationen.
Gesundheitsdaten gehören nach Artikel 9 der Datenschutz-Grundverordnung zu den besonderen Kategorien personenbezogener Daten. Aufgrund ihrer Sensibilität benötigen sie einen besonders hohen Schutz. Für medizinische Einrichtungen bedeutet das: Informationssicherheit darf nicht erst dann zum Thema werden, wenn ein Sicherheitsvorfall eingetreten ist. Sie muss von Beginn an Bestandteil jeder Digitalisierungsentscheidung sein. Erforderlich ist ein ganzheitlicher, risikoorientierter Sicherheitsansatz, der technische, organisatorische und menschliche Faktoren gleichermaßen berücksichtigt.
Dazu gehören unter anderem eine belastbare IT-Infrastruktur, wirksame Datensicherung, geregelte Zugriffsrechte, regelmäßige Sicherheitsaktualisierungen, die Sensibilisierung der Mitarbeitenden sowie praktikable Notfall- und Wiederanlaufkonzepte.
Künstliche Intelligenz: Chancen nutzen, Risiken beherrschen
Auch der zunehmende Einsatz Künstlicher Intelligenz stellt medizinische Einrichtungen vor neue Herausforderungen. KI-gestützte Dokumentationssysteme, Assistenzfunktionen und Anwendungen zur Unterstützung medizinischer Entscheidungen können erhebliche Vorteile bieten. Zugleich entstehen neue Risiken, wenn solche Systeme Zugriff auf umfangreiche Datenbestände, weitreichende Berechtigungen oder eigenständige Handlungsmöglichkeiten erhalten.
Eine grundlegende Sicherheitslogik lautet: Mehr Daten + mehr Berechtigungen + mehr Autonomie = größeres potenzielles Risiko.
Diese Zusammenhänge müssen insbesondere im Gesundheitswesen berücksichtigt werden. Der verantwortungsvolle KI-Einsatz benötigt deshalb klare Regeln, technische Begrenzungen, nachvollziehbare Verantwortlichkeiten und wirksame menschliche Aufsicht.
Für daten-strom steht dabei nicht die Einführung einzelner KI-Produkte im Vordergrund, sondern die unabhängige Bewertung ihrer Sicherheit, ihrer Datenschutzkonformität und ihrer Auswirkungen auf die Datensouveränität medizinischer Einrichtungen.
© Peter Weihs: Gemeinsame Präsenz auf dem Ärztekongress: Polizei Köln und daten-strom
Digitale Resilienz: Auch im Krisenfall handlungsfähig bleiben
Ein wesentliches Fazit des Kongresses lautet: Digitale Sicherheit darf sich nicht ausschließlich auf die Abwehr von Angriffen beschränken. Ebenso wichtig ist die Fähigkeit, Störungen frühzeitig zu erkennen, angemessen darauf zu reagieren und kritische Versorgungsprozesse aufrechtzuerhalten oder möglichst schnell wiederherzustellen. Digitale Resilienz umfasst deshalb sowohl vorbeugende Schutzmaßnahmen als auch organisatorische Vorsorge, Notfallplanung und Wiederherstellungsfähigkeit.
Thomas Klug, Geschäftsführer der daten-strom.Medical-IT-Services GmbH, betont:
„Ich erinnere die Praxen immer wieder an ihre Fürsorge- und Obhutspflichten gegenüber den ihnen anvertrauten Patientendaten. Ein Perspektivwechsel ist dabei wichtig: Als Patient wünsche ich mir robuste und jederzeit möglichst verfügbare IT-Systeme in meiner Praxis oder Klinik. Denn diese sind zunehmend durch Cyberkriminalität gefährdet. Aber dagegen können wir etwas tun! Wir sind keine schicksalhaft ausgelieferten Objekte, die zum Nichtstun verdammt sind.“
Für daten-strom bilden digitale Resilienz, Datensouveränität, Datenschutz und IT-Sicherheit die zentralen Kompetenzschwerpunkte einer zukunftsorientierten und unabhängigen Begleitung medizinischer Einrichtungen.
Ausblick auf 2027: Cyberresilienz soll stärker in die ärztliche Fortbildung einziehen
Ein besonders erfreuliches Ergebnis des Kongresses ist die Perspektive, Cyberprävention und digitale Resilienz künftig stärker in der medizinischen Fort- und Weiterbildung zu verankern.
Professor Dr. Gisbert Knichwitz, MBA, Facharzt für Anästhesiologie und Vorsitzender des Fortbildungsausschusses der Nordrheinischen Akademie, stellte im Gespräch mit Thomas Klug in Aussicht, entsprechende Fortbildungsangebote für 2027 erneut aufzugreifen und weiterzuentwickeln. Dabei sollen nicht nur Ärztinnen und Ärzte, sondern auch medizinische Fachangestellte sowie Einrichtungen der ambulanten und stationären Versorgung berücksichtigt werden.
Thomas Klug begrüßt diese Entwicklung: „Ich freue mich sehr, dass die Nordrheinische Akademie für ärztliche Fort- und Weiterbildung beabsichtigt, ihr Fortbildungsangebot bzw. das Curriculum für 2027 um Themen der digitalen Resilienz und insbesondere der Cyberresilienz zu erweitern.“ Damit eröffnet sich die Möglichkeit, die auf dem Kongress angestoßene Präventionsarbeit nachhaltig fortzuführen.
Das ausführliche Interview mit Professor Dr. Gisbert Knichwitz über KI, Gesundheitsdaten, Cybersicherheit und die geplanten Fortbildungsaktivitäten für 2027 veröffentlichen wir in einem gesonderten Beitrag: Zum Interview mit Professor Dr. Gisbert Knichwitz.
Im Gespräch mit Kriminalhauptkommissar Eric Dieden
Kriminalhauptkommissar Eric Dieden vom Polizeipräsidium Köln engagiert sich im Bereich Kriminalprävention, Opferschutz und Cybercrime. Beim Ärztekongress ä26 begleitete er den gemeinsamen Informationsstand mit daten-strom und hielt an drei Kongresstagen Vorträge über Cyberkriminalität. Im folgenden Interview spricht er über seine Eindrücke vom Kongress, das Gefahrenbewusstsein in der Ärzteschaft und die Perspektiven einer vertieften Präventionsarbeit.
Thomas Klug: Herr Dieden, Sie haben an drei Kongresstagen im Pausensymposium über Cyberkriminalität im Gesundheitswesen referiert. Wie haben Sie das Interesse der Ärzteschaft und die Resonanz auf Ihre Vorträge wahrgenommen?
Eric Dieden: Wir von der Polizei Köln wissen um die Problematik, dass das Thema Cybercrime noch nicht wirklich in der Gesellschaft angekommen ist. Das ist auch der Grund für unser Engagement auf diesem Kongress. Das Interesse hier auf dem Kongress spiegelt diese Problematik wider. Dies wiederum bestärkt uns in unseren Bemühungen.
Thomas Klug: Welche Erkenntnisse haben Sie aus den Gesprächen mit Ärztinnen und Ärzten gewonnen? Wie schätzen Sie das Bewusstsein für die Gefahren durch Cyberkriminalität in den medizinischen Einrichtungen ein?
Eric Dieden: Wie ich bereits erwähnte, ist das Bewusstsein insbesondere in der Ärzteschaft sehr gering, obwohl die Realität eine ganz andere Sprache spricht. Die geführten Gespräche zeigen aber auch, dass durch die polizeilichen Informationen zur aktuellen Situation bereits ein Umdenken erfolgt.
Thomas Klug: Die Polizei Köln und daten-strom engagieren sich gemeinsam für die Prävention von Cyberkriminalität im Gesundheitswesen. Welchen Mehrwert sehen Sie in dieser Zusammenarbeit, insbesondere durch die Verbindung polizeilicher Präventionsarbeit mit praktischer IT-Sicherheitskompetenz?
Eric Dieden: Das polizeiliche Angebot der Cybercrime-Prävention ist eine verhaltensorientierte Prävention. Diese führt bei konsequenter Umsetzung zwangsläufig häufig zu IT-basierten Maßnahmen, die die Polizei aufgrund ihres Neutralitätsgebots nicht selbst anbieten darf. Deshalb ist es in der heutigen Zeit wichtig, ganzheitlich aufzutreten. Durch eine solche Zusammenarbeit können wir das beispielsweise gewährleisten.
Thomas Klug: Wie würden Sie sich die zukünftige Zusammenarbeit mit der Ärztekammer Nordrhein im Bereich der Präventionsarbeit zum Thema Cybercrime vorstellen?
Eric Dieden: Wir stehen dank dieses Kongresses nun in regem Austausch. Es gibt Bestrebungen, für das kommende Jahr einen Weg zu finden, das zugegebenermaßen medizinisch fachfremde Thema Cybercrime in das Fortbildungsprogramm der Ärztekammer zu integrieren und entsprechende Fortbildungspunkte dafür zu ermöglichen.
Thomas Klug: Cyberangriffe können die Versorgung von Patientinnen und Patienten erheblich beeinträchtigen. Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht die digitale Resilienz, also die Fähigkeit einer Praxis, auch bei IT-Störungen oder Cyberangriffen handlungsfähig zu bleiben?
Eric Dieden: Für die Aufrechterhaltung der Versorgung unserer Bevölkerung ist dies ein elementarer Baustein. Allerdings gerät dieser Aspekt bei der praktischen Umsetzung durch IT-Dienstleister zunehmend ins Hintertreffen, insbesondere durch die wachsende Anzahl cloudgestützter Softwarelösungen. Auch in diesem Bereich versuchen wir von der Polizei Köln, durch die Darstellung unserer polizeilichen Erfahrungen mit Hackerangriffen auf die drohenden Gefahren hinzuweisen. Damit möchten wir ein Umdenken anregen oder, lassen Sie es mich so sagen, eine Überarbeitung der angebotenen Softwarelösungen anstoßen.
Das Interview führte Thomas Klug am Rande des Ärztekongresses ä26 in Bonn.
Weiterführende Informationen
- Ärztekongress ä26: https://www.kongress-ae.de/
- Polizei Köln: https://koeln.polizei.nrw/
- Interview: Ausführliches Interview mit Professor Dr. Gisbert Knichwitz
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