Telematikinfrastruktur: So werden Anschluss und Betrieb ab 2020 finanziert

Die Erstausstattungspauschale, die die notwendigen Kosten für einen Konnektor und ein Kartenterminal zum Anschluss an die Telematikinfrastruktur (TI) decken soll, liegt ab dem 1. Januar 2020 bei 1.549 Euro (aktuell: 1.982 Euro).

Darauf haben sich KBV und GKV-Spitzenverband Ende August verständigt und eine Änderung der TI-Finanzierungsvereinbarung beschlossen.

Entscheidend für die Höhe der Pauschale ist wie bisher der Installationstermin und nicht das Datum der Bestellung.

So erfolgte die Anpassung
Ursprünglich sah die TI-Finanzierungsvereinbarung eine quartalsweise Absenkung der Pauschale für den Konnektor in Höhe von 10 Prozent vor, um die Entwicklung des Marktes abzubilden. Da diese Anpassung in 2019 aber nicht erfolgt ist, wird die Pauschale zum 1. Januar 2020 in einem Schritt von 1.547 Euro auf 1.014 Euro abgesenkt. Damit haben KBV und GKV-Spitzenverband auf den günstigen Preis reagiert, zu dem ein Hersteller seinen Konnektor inzwischen anbietet.

Die neuen Pauschalen sind ab dem ersten Quartal 2020 bis auf weiteres gültig. Treten signifikante Marktveränderungen ein, können KBV und GKV-Spitzenverband die Verhandlungen wiederaufnehmen.

Diese Kosten werden erstattet
Die neue Erstausstattungspauschale setzt sich zusammen aus 1.014 Euro für den Konnektor und – auch das ist neu – 535 Euro für das Kartenterminal. Die KBV konnte in den Verhandlungen erreichen, dass die Vergütung der Kartenterminals um 100 Euro angehoben wird. Auch größere Praxen erhalten je nach Anzahl der tätigen Ärzte und Psychotherapeuten für weitere Kartenterminals zusätzlich 535 Euro pro Gerät. Der Komplexitätszuschlag fällt dagegen ab dem 1. Januar 2020 weg.

Finanziert werden – wie bisher auch – einmalig 900 Euro als TI-Startpauschale sowie eine Erstattung der laufenden Betriebskosten für Konnektor und VPN-Zugangsdienst. Pauschalen gibt es zudem für den Praxisausweis (SMC-B) und den elektronischen Heilberufeausweis. Praxen mit Anspruch auf ein mobiles Kartenterminal erhalten weiterhin 350 Euro pro Gerät sowie die Betriebskostenpauschale für einen zusätzlichen Praxisausweis.

Weitere Anpassungen für eMP und NFDM
Die bessere Finanzierung der Kartenterminals ist vor allem vor dem Hintergrund relevant, dass Praxen demnächst weitere Geräte benötigen, um sich für den elektronischen Medikationsplan (eMP) und das Notfalldatenmanagement (NFDM) zu rüsten.

Neben dem Kartenterminal am Empfang für das Versichertenstammdatenmanagement sind dann weitere Geräte für die Behandlungszimmer erforderlich. Für die Anschaffung dieser weiteren Terminals erhalten Ärzte bereits ab Oktober 2019 535 Euro (statt 435 Euro) pro Gerät. Dabei ist die Anzahl der Terminals von der Zahl der Betriebsstättenfälle abhängig.

Anspruch auf die Erstattung haben Ärzte, die ihre Praxis-IT auf den eMP und/oder das NFDM umstellen. Hierfür sind jedoch Updates von Konnektor und Praxisverwaltungssystem erforderlich, die aktuell noch nicht zur Verfügung stehen. Die Industrie plant nach eigenen Angaben, im vierten Quartal 2019 ein Konnektor-Update zur Verfügung zu stellen.

Die Updates für die bestehende Technik werden unverändert mit 530 Euro finanziert. Auch der Zuschlag zur Betriebskostenpauschale in Höhe von 4,50 Euro wird beibehalten.

Zusatzpauschale für die Einführung des eMP und NFDM
Für den Aufwand der Praxen bei der Einführung des eMP und NFDM gibt es eine neue Zusatzpauschale von 60 Euro. Diese kann abhängig von der Zahl der Betriebsstättenfälle je Gerät abgerechnet werden. Der Zuschlag ist zeitlich befristet: Er wird vom 1. Oktober 2019 bis zum 30. September 2020 gezahlt.

Finanzierung des TI-Anschlusses für Neupraxen
Auch neu gegründete Praxen erhalten weiterhin eine Erstattung des TI-Anschlusses. Dies betrifft sowohl die Pauschalen für die Erstausstattung als auch die Betriebskosten und das Update für eMP/NFDM. Anspruch auf Erstattung der Kosten gemäß den Pauschalen hat eine Praxis ab dem Zeitpunkt, an dem sie an die TI angeschlossen beziehungsweise für eMP/NFDM gerüstet ist.

Übersicht zur TI-Finanzierung
Eine aktuelle tabellarische Übersicht zur TI-Finanzierung kann hier als PDF-Dokument heruntergeladen werden. Praxen erhalten so einen schnellen Überblick was wann für die Erstausstattung, die laufenden Betriebskosten sowie die Ausstattung für NFDM und eMP erstattet wird.

Service: Serie rund um die TI
Die KBV hat eine Serie zur Telematikinfrastruktur gestartet: Darin erscheinen alle 14 Tage Service-Beiträge mit wichtigen Hinweisen und praktischen Tipps rund um Ausstattung, Finanzierung und Anwendung.

Teil 1 vom 14. März: Einstieg in die Telematikinfrastruktur - Was ist jetzt zu beachten?

Teil 2 vom 28. März: Kurz vor dem Ruhestand noch an die TI anbinden? Hinweise für Praxisabgeber

Teil 3 vom 11. April: Langsames Internet in der Region: So können sich Praxen trotzdem an die TI anschließen

Teil 4 vom 25. April: Ohne TI-Anschluss drohen nicht nur finanzielle Sanktionen

Teil 5 vom 9. Mai: TI-Anschluss: Tipps rund um den Installationstermin

Teil 6 vom 23. Mai: TI-Finanzierung: So kommen die Pauschalen zustande

Teil 7 vom 6. Juni: Mobile Kartenterminals: Was passiert bei einem Arztwechsel?

Teil 8 vom 27. Juni: VSDM – Tipps und Hinweise zum Start des Online-Datenabgleichs

Teil 9 vom 11. Juli: Das VSDM ist nur der Einstieg - Weitere Anwendungen in der TI

Teil 10 vom 25. Juli: VSDM-Pflicht: Welche Ausnahmen gibt es für Praxen?

Teil 11 vom 8. August: Welche Daten über die Telematikinfrastruktur übertragen werden

Teil 12 vom 22. August: Telematikinfrastruktur: Ärzte, Apotheken, Krankenhäuser - wer geht wann ans Netz?

Weiterführende Informationen:
PraxisNachrichten: Einigung zur neuen TI-Finanzierungsvereinbarung erzielt (Stand: )
Themenseite Telematikinfrastruktur
PraxisWissen: Telematikinfrastruktur (Stand: , PDF)

Quelle Logo und Text: Kassenärztliche Bundesvereinigung
Weitere Infos hier: 02191 46127-0

Zurück