Honorarvereinbarung: Mehr Geld für Videosprechstunden

Der sogenannte Orientierungswert, auf dessen Grundlage die Preise für alle vertragsärztlichen und -psychotherapeutischen Leistungen berechnet werden, steigt zum 1. Januar 2020 um 1,52 Prozent von 10,8226 auf 10,9871 Cent. Damit wächst das Honorarvolumen insgesamt um 565 Millionen Euro. „Es ist gut, dass wir eine Einigung erzielen konnten, zumal die Forderungen anfangs weit auseinanderlagen. Die gemeinsame Selbstverwaltung hat ihre Funktionsfähigkeit unter Beweis gestellt, ohne den erweiterten Bewertungsausschuss anrufen zu müssen“, sagte Dr. med. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV).

Gassen erläuterte den Abschluss auf der Vertreterversammlung der KBV am 13. September: „Die diagnose- und demografiebezogenen Veränderungsraten in diesem Jahr gaben nicht viel her. Wir konnten für das vor-vorherige Jahr auch keinen besonderen Anstieg des morbiditätsbedingten Behandlungsbedarfs gelten machen“, so der KBV-Chef – insofern sei die Steigerung eine gute Nachricht.

Kein Anlass zu Euphorie
Auch Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein, äußert sich insgesamt zufrieden: „Das ist ein solides, auf dem normalen Verhandlungswege zustande gekommenes Ergebnis, aber sicher kein Anlass zur Euphorie. Dass die Steigerung nicht höher ausfällt, ist vornehmlich auf die Entwicklung der dafür maßgeblichen Parameter Morbidität und Demografie zurückzuführen. Es ist daher fraglich, ob diese Faktoren auf Dauer die richtigen Größen zur Ermittlung des Honorars sind.“

Der kalkulatorische Arztlohn müsse dringend an die realen Bedingungen angepasst werden, damit die Niedergelassenen konkurrenzfähig blieben. „Wer mehr Nachwuchs für die Niederlassung erwartet, wird an dieser Stelle reagieren müssen“, sagt Bergmann.

Extrabudgetär vergütet werden ab 2020 ärztliche Beurteilungs- und Beratungsleistungen in der Humangenetik. „Das war ein schwerer Brocken“, sagt Gassen. Bislang waren diese Leistungen mit der sogenannten morbiditätsbedingten Gesamtvergütung, welche die Kassen mit befreiender Wirkung zahlen, abgedeckt. Jetzt konnte die KBV erreichen, dass die humangenetischen Beurteilungsleistungen wegen der deutlichen Mengenausweitung außerhalb der MGV vergütet werden. Diese Regelung gilt für zwei Jahre.

GKV-Spitzenverband und KBV verständigten sich zudem darauf, die bereits bestehende extrabudgetäre Vergütung von Leistungen der Tumorgenetik um drei Jahre zu verlängern. Auch Videosprechstunden werden finanziell gefördert. Ab 1. Oktober 2019 zahlen die gesetzlichen Krankenkassen Ärztinnen und Ärzten, die Videosprechstunden durchführen, eine Anschubfinanzierung. Diese kann bis zu 500 Euro pro Arztpraxis und Quartal betragen. Die Fördermöglichkeit gilt für zwei Jahre.

Quelle Logo, Grafiken und Text: KV Nordrhein
Weitere Infos hier: 02191 46127-0

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