Ab 2020 Terminvermittlung bundesweit unter der 116117

Mit dem Ausbau der Terminservicestellen (TSS) will der Gesetzgeber erreichen, dass gesetzlich krankenversicherte Patienten künftig noch schneller Termine bei Ärzten und Psychotherapeuten erhalten.

Dazu sollen die Servicestellen ab kommendem Jahr sieben Tage die Woche rund um die Uhr unter der 116117 erreichbar sein. So sieht es das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) vor, das der Bundestag vorige Woche verabschiedet hat.

Die TSS wurden von den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) vor über drei Jahren eingerichtet. Ihre Aufgabe ist es bislang, Termine bei Fachärzten und seit April 2017 auch bei Psychotherapeuten innerhalb von höchstens vier Wochen zu vermitteln.

Mehrere Neuerungen
Künftig, so sieht es das TSVG vor, können sich Patienten auch dann an die TSS wenden, wenn sie einen Termin beim Haus- oder beim Kinder- und Jugendarzt benötigen. Anders als bei Fachärzten ist dafür keine Überweisung erforderlich. Doch auch hier gilt: Die TSS vermitteln keine Termine bei Wunschärzten. Wer einen Hausarzt hat, sollte zunächst diesen kontaktieren.

Eine weitere Neuerung betrifft die Terminvermittlung für psychotherapeutische Akutbehandlungen, die mit Inkrafttreten des TSVG Ende April innerhalb von zwei statt von vier Wochen erfolgen muss. Bei allen anderen Terminen bleibt es bei der Vier-Wochen-Frist.

Bessere Vergütung
Um die Terminvergabe zu beschleunigen, sieht das TSVG außerdem Vergütungsanreize vor. Bereits ab Inkrafttreten des Gesetzes Ende April erhalten Ärzte und Psychotherapeuten alle Leistungen im Behandlungsfall, die aufgrund der Terminvermittlung durch die TSS erbracht werden, extrabudgetär und damit in voller Höhe vergütet.

Zusätzlich werden ab August Zuschläge von bis zu 50 Prozent auf die Versicherten- und Grundpauschale gezahlt.

Erleichterung beim Aufbringen der Codes
Für Terminvermittlungen zum Facharzt oder Psychotherapeuten benötigen Patienten einen Überweisungs- beziehungsweise Vermittlungscode. Diese Codes werden derzeit händisch auf die Überweisungen beziehungsweise Bescheinigungen (PTV 11) geklebt.

Künftig sollen diese Codes von der Praxissoftware generiert und automatisch auf die Formulare aufgedruckt werden. Die Vertreterversammlung der KBV hat dazu am vergangenen Freitag eine entsprechende Richtlinie für Softwarehäuser verabschiedet, sodass die Firmen in Kürze mit der technischen Umsetzung beginnen können.

Bis zur Zusammenlegung der Erreichbarkeit von Terminservicestellen und ärztlichem Bereitschaftsdienst unter der bundesweiten Telefonnummer 116117 spätestens zum 1. Januar 2020 bleiben die regionalen Rufnummern der TSS erhalten.

KBV und KVen haben die 116117 im März 2012 für den ärztlichen Bereitschaftsdienst eingeführt. Zuvor hatte es deutschlandweit annähernd 1.000 verschiedene Bereitschaftsdienstnummer gegeben.

Terminvermittlung bei Ärzten und Psychotherapeuten
Die Terminservicestellen vermitteln für gesetzlich Krankenversicherte Termine bei

  • Fachärzten: Patienten benötigen eine Überweisung (Ausnahme: Termine bei Augenärzten und Gynäkologen).
  • Psychotherapeuten: Termine zur psychotherapeutischen Sprechstunde ohne Überweisung. Termine zur Akutbehandlung oder probatorischen Sitzung nur, wenn ein Psychotherapeut in der Sprechstunde auf dem Formular PTV11 angegeben hat, dass der Patient eine entsprechende Behandlung benötigt.
  • Hausärzten sowie Kinder- und Jugendärzten, einschließlich der Vermittlung von Terminen zu U-Untersuchungen (neu ab Ende April): Patienten benötigen keine Überweisung (Ausnahmen werden noch festgelegt).

Für Terminvermittlungen zum Facharzt oder Psychotherapeuten kennzeichnen Praxen die Überweisungen beziehungsweise das PTV11 mit einem Code, den die Patienten beim Anruf in der Terminservicestelle benötigen.

Künftig sollen die Terminservicestellen Patienten auch bei der Suche eines Haus- oder eines Kinder- und Jugendarztes unterstützen.

Hinweis: Die Terminservicestellen vermitteln keine Wunschtermine bei einem bestimmten Arzt oder Therapeuten. Patienten erhalten einen Termin bei einem Arzt oder Psychotherapeuten, der in dem jeweiligen Zeitraum freie Termine hat.

Fristen für die Terminvermittlung
Die Terminservicestellen haben bis zu eine Woche Zeit, einen Termin innerhalb von vier Wochen – für psychotherapeutische Akutbehandlungen innerhalb von zwei Wochen – zu vermitteln.

Sollten die Terminservicestellen den Versicherten in der vorgegebenen Frist keinen Termin bei einem niedergelassenen Arzt oder Psychotherapeuten anbieten können, müssen sie einen ambulanten Behandlungstermin in einem Krankenhaus vermitteln.

Freie Termine melden
Für die Terminvermittlung melden Ärzte und Psychotherapeuten ihrer Kassenärztlichen Vereinigung freie Termine. Dazu sind sie nach dem Terminservice- und Versorgungsgesetz künftig verpflichtet.

Terminservicestellen: Die neue Vergütung
Extrabudgetär: Mit Inkrafttreten des Terminservice- und Versorgungsgesetzes Ende April erhalten Fach-, Haus- und Kinderärzte sowie Psychotherapeuten alle Leistungen im Behandlungsfall, die aufgrund der Terminvermittlung erbracht werden, extrabudgetär und damit in voller Höhe vergütet.

Zuschläge: Zusätzlich zur extrabudgetären Vergütung der Behandlung gibt es ab August Zuschläge zur Versicherten- beziehungsweise Grundpauschale. Die Höhe der Zuschläge ist nach der Länge der Wartezeit auf einen Termin gestaffelt:

  • 50 Prozent: Termin innerhalb von 8 Tagen
  • 30 Prozent: Termin innerhalb von 9 bis 14 Tagen
  • 20 Prozent: Termin innerhalb von 15 Tagen bis 35 Tagen

Weiterführende Informationen:
PraxisNachrichten: Bundestag verabschiedet Terminservice- und Versorgungsgesetz – Überblick: Was kommt auf Praxen (Stand: )
Themenseite Terminservice- und Versorgungsgesetz
Themenseite Terminservicestellen

Quelle Logo und Text: Kassenärztliche Bundesvereinigung
Weitere Infos hier: 02191 46127-0

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