Vertreterversammlung: Ein Strukturfonds für Nordrhein

Deutliche Kritik gab es an den jüngsten Prüfanträgen der Krankenkassen und der geplanten Ausweitung der Aufgaben der Termin-Servicestelle.

Zufrieden reagierte der Vorstand auf die breite Zustimmung der Delegierten zum Strukturfonds, den es bereits in zehn Kassenärztlichen Vereinigungen gibt und der bisher von der VV abgelehnt worden war. „Damit erhalten wir eine wichtige Grundlage zur Finanzierung von Initiativen zur Sicherstellung der Versorgung in nordrheinischen Regionen, in denen schon heute Nachwuchs fehlt“, sagte Vorstandsvorsitzender Dr. med. Frank Bergmann. „Der besondere Charme besteht in der gemeinsamen Finanzierung des Fonds: Wir als KV müssen nur eine Hälfte der Mittel bereitstellen, auch die Kostenträger sind zu 50 Prozent daran beteiligt.“ Ergänzt wird der Fonds durch eine Sicherstellungsrichtlinie, die die Grundsätze der Mittelverwendung, Fördermaßnahmen, Antragsverfahren und die Festlegung von zu fördernden Gebieten regelt.

Scharf kritisierte Bergmann erneut die Prüfanträge der nordrheinischen Krankenkassen, die im Oktober knapp 1300 Anträge für das vierte Quartal 2016 gestellt haben, darunter ein großer Teil wegen der Verordnung von Materialien der modernen Wundversorgung über den Sprechstundenbedarf (siehe Seite 17). „Wir wissen, dass bei der Abrechnung Formfehler passiert sind. Den Kassen ist aber durch die Abgabe der Wundversorgungsmaterialien kein materieller Schaden entstanden, das Verbandsmaterial war und ist für die Versorgung der Patienten nötig“, sagte Bergmann. Einstimmig forderten die Delegierten die Kassen auf, die Prüfanträge zurückzuziehen.

Kein Markt bei Telematik-Infrastruktur
Eine kritische Zwischenbilanz zog Bergmann zum Start der Telematik-Infrastruktur (TI): „Nach wie vor herrscht keine Marktsituation mit Wettbewerb bei den Komponenten. Und dass ausgerechnet das Versichertenstammdatenmanagement als erste Anwendung laufen soll, ist strategisch mehr als unglücklich– an sinnvollen medizinischen Anwendungen hätten wir dagegen großes Interesse“.

Ein weiteres Thema im Bericht des KVNO-Vorstandes waren die jüngsten Beschlüsse des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zur künftigen Bedarfsplanung in der Sonderregion: Ab 2018 soll die „Soll-Arztdichte“ der Hausärzte innerhalb eines Zeitraums von zehn Jahren an bundeseinheitliche Verhältnisse angepasst werden. „Im nordrheinischen Teil des Ruhrgebietes entstehen im ersten Schritt etwa 34 neue Hausarzt-Sitze, die voraussichtlich ab Mitte 2018 ausgeschrieben werden. Insgesamt wird sich der Zuwachs auf etwa 215 neue hausärztliche und rund 50 psychotherapeutische Zulassungen belaufen, deren Verhältniszahl ebenfalls durch den G-BA angepasst wurde“, so Bergmann. Der KVNO-Chef betonte, dass Interessenten die Beschlüsse des hiesigen Landesausschusses im Frühjahr abwarten müssten.

Dr. med. Carsten König, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein, widmete sich unter anderem den Disease-Management-Programmen (DMP). Bei den auf Bundesebene diskutierten Plänen, den DMP-Katalog auf weitere Erkrankungen auszuweiten, mahnte er zu Augenmaß: „Die Behandlung chronisch Kranker noch zielgerichteter zu strukturieren, ist richtig. Allerdings muss darauf geachtet werden, dass Patienten und Behandler nicht den Überblick verlieren.“ Wichtig sei zudem, dass bei der Konzeption neuer DMP, zum Beispiel zur Behandlung von Rheuma, Osteoporose oder auch Depressionen, beteiligte Fachärzte einbezogen werden.

Quelle Logo, Grafiken und Text: KV Nordrhein
Weitere Infos hier: 02191 46127-0

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