Quo vadis Telematik?

Ob Hermann Gröhe wieder Bundesgesundheitsminister wird, ob überhaupt im Bundesministerium für Gesundheit wieder ein CDU-Minister einziehen wird, das ist derzeit bekanntlich unklar. Zunehmend klar werden aber die Wünsche der unterschiedlichen Akteure der deutschen Digitalisierungsszene an jenes E-Health-Gesetz 2.0, das die neue Bundesregierung, so erwarten alle, zügig in Angriff nehmen wird, wenn sie denn im Frühjahr 2018 irgendwann inthronisiert ist.

E-Health-Strategie oder nicht, das ist hier die Frage
„Was mir und vielen anderen fehlt, ist so etwas wie eine formulierte E-Health-Strategie, aus der klar wird, in welchem Zeitraum wir wo hinkommen wollen, welche Meilensteine es gibt und wann welche Stellschrauben angepasst werden müssen, damit es am Ende läuft“, sagte Prof. Dr. Britta Böckmann von der Fachhochschule Dortmund. Hinsichtlich der Frage, wer neutral und kompetent genug ist, eine solche Strategie zu formulieren, brachte Böckmann einmal mehr ein (Bundes-)Institut für E-Health in die Diskussion – auch um wichtige Weichenstellungen aus dem Gerangel der Selbstverwaltung heraushalten zu können.

Für die Bund-Länder-Arbeitsgruppe Telematik im Gesundheitswesen (BLAG) äußerte sich Martin Strunden vom Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz diesbezüglich eher skeptisch. Wenn die Pluralität und der Föderalismus im deutschen Gesundheitswesen erhalten bleiben sollten, sei ein nationaler Plan, der über das hinausgehe, was gesetzlich, etwa in E-Health-Gesetzen, geregelt werden könne, schwierig. Formulierte E-Health-Strategien geben es vor allem in Ländern mit staatlichen Gesundheitswesen, und das sei für Deutschland keine Option.

Auf der BLAG-Wunschliste für ein E-Health-Gesetz 2.0 taucht die Strategie deswegen nicht auf, wohl aber andere Ideen: „Ich bin überzeugt, dass wir mehr abrechenbare Positionen als nur die Videosprechstunde brauchen“, so Strunden. Sowohl das Anlegen als auch das Pflegen einer Akte müssten den Ärzten honoriert werden: „Ärzte werden ihren Patienten Akten empfehlen, wenn sie sie abrechnen können.“ Das sei gut für das Gesundheitswesen und gut für die Patienten. Es sei auch gut für die Infrastruktur, weil die dann existierende Nachfrage nach Akten einen Wettbewerb um die besten technischen Lösungen nach sich ziehen werde.

„Wir müssen aufhören, zu schimpfen“
Strunden äußerte sich auch zu den Entwicklungen bei der Gematik und der Telematikinfrastruktur. In einer länderübergreifenden Koalition, an der sich zuletzt auch das Bundesgesundheitsministerium beteiligt habe, sei es gelungen, Konzepte zu entwickeln, die unter Festhalten an dem gesetzlichen Zwei-Schlüssel-Prinzip sowohl dem Patienten als auch dem Arzt in bestimmten Situationen einen alleinigen Zugriff erlaubten. „Die Gematik hat dazu eine Rechtearchitektur entwickelt und vorgestellt, die die Patientensouveränität erfüllt. Ich halte das für wirklich gut und denke, wir sind jetzt auf einem guten Weg. Wir sollten aufhören, zu schimpfen“, so Strunden, der unter anderem gegenüber E-HEALTH-COM eine Zeitlang für eine Abschaffung des Zwei-Schlüssel-Prinzips geworben hatte.

Für Susanne Mauersberg vom Verbraucherzentrale Bundesverband, die, wie Strunden, im Beirat der Gematik sitzt, bleibt die suboptimale Kommunikationspolitik der Gematik eines der Hauptprobleme, die angegangen werden müssten. Über die Konzepte, die in der Gematik entwickelt würden, sei immer noch oft zu wenig bekannt, sodass Diskussionen teilweise unter falschen Prämissen geführt würden. „Die Gematik sollte insbesondere bei der Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation mehr Eigenständigkeit gegenüber den Gesellschaftern bekommen“, so die Verbraucherschützerin.

Bald vier Konnektoren?
Genährt wird die Hoffnung, dass die Telematikinfrastruktur bald Fahrt aufnehmen könnte, derzeit von mehreren Seiten. So haben es nach den Kassenzahnärzten jetzt auch die Kassenärzte geschafft, die Ausgabeprozesse ihrer SMC-B, also der elektronischen Praxisausweise, zertifiziert zu bekommen. Damit können die Installationen nun auch bei Ärzten außerhalb der ursprünglichen Testregion beginnen. Bei der neulich mit Medienunterstützung zelebrierten „Erstanbindung“ handelte es sich um eine Testpraxis, die bereits eine SMC-B hatte.

Auch in die Konnektorenthematik scheint Bewegung zu kommen. Experten aus dem Umfeld der Gematik haben sich zuversichtlich geäußert, dass zum Ende des ersten Quartals bis zu vier unterschiedliche Konnektoren zur Verfügung stehen könnten. Die Deutsche Telekom hat nach langen Verzögerungen ihren Konnektor im November zur Zertifizierung eingereicht. Auch bei dem österreichischen Unternehmen RISE soll dieser Schritt in Kürze erfolgen. Außerdem halten sich die Gerüchte über ein Konnektor-Engagement des Unternehmens Secunet.

Quelle Logo und Text: E-HEALTH-COM
Weitere Infos hier: 02191 46127-0

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