Psychotherapeuten dürfen erstmals Verordnungen ausstellen

Bislang durften nur Ärzte Leistungen verordnen. Diese Befugnis wurde per Gesetz auf Psychologische Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten ausgedehnt. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat die entsprechenden Richtlinien angepasst. Danach können Therapeuten nun bei bestimmten Indikationen Krankenhausbehandlungen sowie Krankenbeförderungen verordnen.

Reha und Soziotherapie erst später
Künftig sollen sie auch Leistungen der Rehabilitation und Soziotherapie verordnen dürfen. Der Grund für den späteren Zeitpunkt ist, dass das Ausstellen dieser Verordnungen gesondert honoriert wird. Daher werden KBV und GKV-Spitzenverband im Bewertungsausschuss zunächst über eine Vergütungsregelung für Psychotherapeuten verhandeln. Sie haben dazu sechs Monate Zeit, sobald die geänderten G-BA-Richtlinien in Kraft sind.

Die Verordnung erfolgt auf denselben Formularen, die auch Vertragsärzte verwenden (Muster 2 bei Krankenhausbehandlung und Muster 4 bei Krankenbeförderung). Formulare erhalten Psychotherapeuten über ihre regulären Bezugswege, in der Regel von ihrer Kassenärztlichen Vereinigung.

Klinikeinweisung bei bestimmten Indikationen
Psychotherapeuten dürfen Patienten in ein Krankenhaus einweisen, wenn diese aufgrund psychischer Erkrankungen und Störungen stationär behandelt werden müssen. Die Verordnung ist zulässig für Diagnosen, bei denen nach der Psychotherapie-Richtlinie eine Psychotherapie sowie eine neuropsychologische Therapie möglich sind.

Für die übrigen Indikationen aus dem Kapitel V „Psychische und Verhaltensstörungen“ des ICD-10-GM muss eine Abstimmung mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

Patienten sollen sich die Kostenübernahme der stationären Behandlung von ihrer Krankenkassen vorab genehmigen lassen.

Fahrten zur stationären und ambulanten Behandlung
Psychotherapeuten, die einem Patienten eine Krankenhausbehandlung verordnet haben, können ihm auch die Fahrt dorthin verordnen. Voraussetzung ist, dass die Beförderung medizinisch notwendig ist und der Patient aus medizinischen Gründen nicht selbst fahren kann, beispielsweise mit seinem Pkw oder öffentlichen Verkehrsmitteln.

Fahrten zur ambulanten Behandlung sind nur in bestimmten Fällen verordnungsfähig. Möglich ist dies bei Patienten, die einen Schwerbehindertenausweis mit Merkzeichen „aG“, „BI“ oder „H“ vorlegen oder einen Pflegebescheid mit Pflegegrad 3, 4 oder 5 und dauerhaft in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Patienten müssen sich die Fahrten zur ambulanten Behandlung vorab von ihrer Krankenkasse genehmigen lassen, damit diese die Kosten übernimmt.

Verordnung von Krankenhausbehandlung
Psychotherapeuten können Krankenhausbehandlung verordnen, wenn ein Patient aufgrund psychischer Erkrankungen und Störungen stationär behandelt werden muss.

Psychotherapeuten dürfen Krankenhausbehandlungen

  • bei Indikationen nach Paragraf 26 der Psychotherapie-Richtlinie, zum Beispiel depressive Episoden, Angststörungen oder nichtorganische Schlafstörungen, sowie
  • bei Indikationen der neuropsychologischen Therapie, zum Beispiel organisches amnestisches Syndrom oder organische emotional labile (asthenische) Störung verordnen.

In diesen Fällen ist keine gesonderte Abstimmung mit dem behandelnden Arzt notwendig.

Für alle übrigen Indikationen in Kapitel V „Psychische und Verhaltensstörungen“ der ICD-10-GM muss sich der Psychotherapeut mit dem behandelnden Arzt abstimmen. Dazu gehört zum Beispiel Demenz.

Generell gilt für alle Indikationen, dass Vertragsärzte und auch Vertragspsychotherapeuten vor einer Einweisung ins Krankenhaus alle ambulanten Behandlungsangebote in Erwägung ziehen müssen. Sie müssen sich somit über sämtliche Angebote informieren. Dies ist in der Krankenhauseinweisungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses festgelegt.

Quelle Logo, Grafiken und Text: Kassenärztliche Bundesvereinigung
Weitere Infos hier: 02191 46127-0

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